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BETh-Pressespiegel


Podium zur Bundestagswahl 2017 "Zukunft der Energiewende"

Podium zur Bundestagswahl 2017 "Zukunft der Energiewende"

http://www.buergerenergie-thueringen.de/aktuelles-aktivitaeten/207-bee-veranstaltung-zur-bundestagswahl-2017-zukunft-der-energiewende




Ankündigung in der OTZ und TLZ vom 18.8.2017 mit folgenden Überschriften

"Wahlpodium: Positionen zur Energiewende. Thema heute: Klimaschutz" (OTZ)

"Wahlpodium zur Klima und Energie" (TLZ)

und folgendem Wortlaut"

"Jena. Klimaschutz und Energiewende sind die Schwerpunktthemen, zu denen ausgewählte Bundestagskandidaten aus Jena und Thüringen am heutigen Abend auf den Zahl gefühlt werden.

Bei der Bundestagswahl werden die Weichen für die Energiepolitik neu gestellt und nicht nur entschieden, ob Deutschland den Klimaschutz ernst nimmt, sondern auch, ob die notwendige energiewirtschaftliche Entwicklung als Basis einer innovativen und wettbewergsfähigen Induestriegesellschaft sichergestellt ist. Dies betrifft Haushalte, aber auch die Industrie und Mobilität.

Mit welchen Ideen wollen die Parteien die Energiewende in den nächsten Jahren voranbringen? Und wie wollen die Parteien die Ziele aus dem Pariser Klimaschutzabkommen erreichen? Diese und weitere Fragen werden die Direktkandidaten mit Experten aus der Erneuerbaren Energien-Branche diskutieren. Erwartet werden: Ralph Lenkert (Linke), Christoph Matschie (SPD), Johannes Selle (CDU), Olaf Müller (Bündnis90/Die Grünen), der Thüringer FDP-Spitzenkandidat Thomas Kemmerich und Jörg Mayer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft als Vertreter der Erneuerbaren Energie-Branche. Den Einführungsvortrag hält Reinhard Guthke als Vorsitzender des Vereins Bürgerenergie Thüringen.

Freitag, 18. August, 17 Uhr, Großer Saale im Internationalen Centrum, Johannisplatz 26



Windenergie-Anlagen gehören verstärkt in Thüringer Hand

Am 10. Juli 2017 wurden in TLZ (S. 20) und OTZ als Leserbrief die Thesen des BürgerEnergie Thüringen e.V. zum Nutzen der Windkraft für Thüringen veröffentlicht - mit folgendem Wortlaut:

"Windenergie-Anlagen gehören verstärkt in Thüringer Hand

Folgen einer falschen Landespolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte und des zögerlichen Engeagements der Bürger

Professor Dr. Reinhard Guthke aus Jena, Vorsitzender des Vereins Bürgerenergie Thüringen legt mit Blick auf den Nutzen der Windenergie in Thüringen folgende Thesen zur Debatte unter der Leserschaft vor:

1)    Um uns vor einer gefährlichen Änderung des Klimas zu schützen und Energie langfristig und sicher gewinnen zu können, müssen wir vor allem Energie einsparen. Das gelingt uns in Deutschland und Thüringen leider nicht ausreichend. Auch wenn es uns an einzelnen Stellen gelingt Energie zu sparen, brauchen wir zusammen doch immer mehr Energie, weil wir immer mehr Geräte nutzen, immer größere Wohnungen beziehen oder immer weitere Wege mit immer größeren Autos fahren (müssen oder wollen). Daher wird der zweitbeste Weg immer wichtiger: In den letzten 20 Jahren ist es uns gelungen, immer mehr Energie aus unerschöpflichen Quellen zu gewinnen, ohne dass wir dabei Rohstoffe verbrennen.

2)    Obwohl fast alle die Energiewende unterstützen, stellen sich viele auch gegen die Nutzung der Windenergie, besonders dort, wo noch keine Erfahrungen mit Windenergie bestehen und die Angst vor dem Unbekannten überwiegt. Vor allem aus Sorge um die schöne Landschaft wehren sich viele Thüringer gegen Windenergieanlagen. In möglichst vielen Blickrichtungen wollen sie keine Windenergieanlagen sehen, sondern die Ruhe über den Feldern, Wiesen und Wäldern genießen. Vielen von uns liegt das Wohl der Tiere am Herzen, die durch Windkraftanlagen beeinträchtigt werden. Wir alle achten darauf, dass der Schattenwurf, die Lautstärke und die nicht hörbaren Vibrationen (Infraschall) der Windräder weit genug weg sind, damit wir Menschen nicht zu stark beeinträchtigt werden. Das alles sind wichtige und notwendige Anliegen, die beim schrittweisen Ausbau der Windenergie mit Blick auf die Risiken und Chancen beachtet werden müssen.

3)    All diese Dinge zu berücksichtigen und dennoch Windenergie ausreichend auszubauen ist unser Ziel als BürgerEnergie Thüringen e.V..  Denn Windenergie ist für eine nachhaltige Energieerzeugung unerlässlich. Zwar ist Thüringen bekannt für seine vorbildliche Bioenergienutzung. Und auch im Bereich Photovoltaik war Thüringen lange Zeit fortschrittlich. Doch bei der dritten Säule der Energiewende, beim Strom aus Windenergie, ist Thüringen gegenüber anderen Ländern hintenan. Einige meinen, man könnte weitgehend auf Windenergie verzichten. Das sehen wir nicht so, denn Biomasse ist zu wertvoll um verwendet zu werden, wenn
Wind oder Sonne billig Energie erzeugen können. Da der Wind oft auch dann weht, wenn die Sonne nicht scheint, ergänzen sich diese.

4)    Da die Nutzung der Windenergie auch in Thüringen im Energiemix unerlässlich ist, muss die Frage nach Standorten entschieden werden. Hierfür darf das St.-Florians-Prinzip keine Rolle spielen. Sondern die nötigen Entscheidungen werden demokratisch legitimiert in Planungsgemeinschaften mit Bürgerbeteiligung nach landespolitischen Vorgaben getroffen.

5)    Windenergie deckt in Thüringen heute ca. 11% des Bruttostrombedarfs. Dabei wird nur etwa 10% des Windenergiepotenzials zur Stromerzeugung genutzt. Die politisch gewollte Verdreifachung ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Etwa 50% des Thüringer Strombedarfs wird durch Import gedeckt, u.a. aus Braunkohleverstromung in Sachsen. Das ist mit Belastung des Weltklimas, wirtschaftlicher Abhängigkeit und Verzicht der Thüringer auf regionale Wertschöpfung von über 100 Millionen € pro Jahr verbunden.


6)    Für die Energiewende in den Sektoren Verkehr (z.B. mit Elektromobilität) und Wärme (z.B. „Power-to-Heat“ und Wärmepumpen) sowie zur künftigen Sicherung der Energieversorgung auch bei längerer „Dunkelflaute“ durch „Power-to-Gas“ entsteht zusätzlicher Strombedarf. Auch dieser muss unter anderem aus der Windenergie kommen.

7)    Aufgrund falscher Landespolitik der letzten 2 Jahrzehnte und zögerlichem Engagement der Thüringer Bevölkerung sind bisher nur 12% der Thüringer Windenergieanlagen in Thüringer Hand. Auch das ist mit Verlust an regionaler Wertschöpfung in Millionen-Höhe verbunden. Wir bemühen uns deshalb um Bürgerwindparks, in die Thüringerinnen und Thüringer investieren können.




Bürger sorgen für Energie - TA 13.04.2017

Bürger sorgen für Energie
Eine neue Ausstellung im Landratsamt in Arnstadt stellt Projekte von Genossenschaften vor, die Solaranlagen bauen und betreiben.

Thüringer Allgemeine, Ilmenau, 13.04.2017

http://ilmenau.thueringer-allgemeine.de/web/ilmenau/startseite/detail/-/specific/Buerger-sorgen-fuer-Energie-979483677


Energiewende ohne Bürger

http://www.neues-deutschland.de/artikel/989981.energiewende-ohne-buerger.html


Neues Deutschland vom 4.11.2015

Von Doris Weilandt

Energiewende ohne Bürger

Thüringer Genossenschaften klagen, dass am Strommarkt nur Investoren zum Zuge kommen

Die Bürgerenergiegenossenschaften in Thüringen sehen sich durch Ausschreibungsverfahren zunehmend vom Strommarkt verdrängt. Doch sollte die Energiewende nicht mit den Bürger umgesetzt werden?


Etwa ab dem Jahr 2000 gab es im ganzen Land einen gewaltigen Schub in Richtung Photovoltaik und Windkraft. Allein in Thüringen gründeten sich rund 40 Genossenschaften mit über 2000 Mitgliedern, die sich inzwischen zu einem Dachverband zusammen geschlossen haben. Der Vorsitzende von BürgerEnergie Thüringen e.V., Reinhard Guthke, beklagte dieser Tage auf einer Erneuerbare-Energien-Konferenz in Weimar, dass Genossenschaften durch die in der jüngsten Gesetzesnovelle des Bundes festgelegten Ausschreibungen vom Strommarkt faktisch ausgeschlossen werden. Der Grund: Die zumeist ehrenamtlich agierenden Genossenschaftsvorstände können den bürokratischen Aufwand personell und finanziell nicht bewältigen.

 »Für die Genossenschaften ist das Ausschreibungsmodell verheerend. Es bedeutet für die Bürgerenergie das Aus«, konstatierte der Systembiologe und Bioinformatiker Guthke. Bisher habe keine Genossenschaft einen Zuschlag bekommen.

Die Ausschreibungen sind derzeit für Photovoltaik-Anlagen (PV) verpflichtend. Doch auch bei der Windkraft wird das Modell in Kürze Realität. Guthke fordert deshalb für die Bürgerenergie eine Ausnahme vom Ausschreibungsverfahren: »Ich befürchte, dass die Großkonzerne, nachdem sie bei der Atomenergie nicht mehr zum Zuge kommen, von der Bundesregierung bevorteilt werden.«

Simon Behrens von der Bundesnetzagentur sieht dagegen eine Professionalisierung des Strommarktes im Bereich erneuerbare Energien. Auch wenn er die Kosten für das derzeit angewendete Ausschreibungsverfahren bei PV-Anlagen als relativ gering einschätzt, wird der Einsatz bei Windparks deutlich höher ausfallen.

In diesem Bereich herrscht in Thüringen derzeit totaler Wildwuchs. Seit der Ankündigung der rot-rot-grünen Landesregierung, den Anteil von Windkraft an der Stromerzeugung zu verdreifachen, sind große Investoren besonders aktiv. Im rechtsfreien Raum versuchen sie Tatsachen zu schaffen, überreden Bauern und Landeigentümer zu Verträgen für Windparks. Die hohen Summen, die geboten werden, locken - auch das ist ein großes Problem für die Bürgerenergiegenossenschaften, die ihren Strom vor Ort produzieren und vermarkten wollen.

Die Grundidee der Genossenschaften: Anlieger sollen an den Anlagen beteiligt werden und davon profitieren. »Vertrauen ist wichtig«, sagt Guthke, der um die Diskussionen in vielen Orten weiß. Durch den entstandenen Druck wächst überall im Land die Gegnerschaft zu den Windparks, entsprechende Bürgerinitiativen haben großen Zulauf. Die Tatsache, dass die wenigsten Anlagen Thüringern gehören, dürfte ein wichtiger Grund dafür sein. Aus den reinen Investorenprojekten fließen dreistellige Millionenbeträge ab. Größere Teilhabe der Bevölkerung kündigte auch Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) an. Doch in vielen Fällen sind Flächen schon vorvertraglich gebunden und die Energiegenossenschaften haben keine Chance. In Mecklenburg-Vorpommern dagegen sollen die Bürger per Gesetz durch Anteilsverkäufe und Preisnachlässe am regionalen Strommarkt beteiligt werden - das ist deutschlandweit einmalig. Thüringen hat gegen einen solchen Schritt jedoch rechtliche Bedenken, sicher auch wegen der in der Vergangenheit geschaffenen Tatsachen.

Von ihrem Ziel - »Thüringen 100% erneuerbar gestalten« - ist BürgerEnergie e.V. zwar noch weit entfernt, aber der gemeinnützige Verein bietet mit dem Thüringer Landstrom bereits ein erstes Produkt an, das regional produziert wird. Die Idee, über Genossenschaften die Bürger unmittelbar an der Stromerzeugung zu beteiligen, hat auch die Verantwortlichen der Internationalen Bauausstellung Thüringen überzeugt. Der Thüringer Landstrom gehört zu den wenigen Kandidaten, die aus einer Bewerberfülle für das städtebauliche Zukunftslabor, das bis 2023 die Stadt-Land-Beziehungen in den Mittelpunkt rückt, ausgewählt wurden.

Erfurter Bürger-Energie-Tag: Was wir selbst zur Energiewende beitragen können

TLZ Erfurt, 28.9.2015


Bürger-Energie-Tag in Erfurt: Mitten auf dem Anger, an einem Samstagmittag – an welchem Ort und zu welcher Zeit könnte man den Menschen besser ins Gedächtnis rufen, dass es die Bürger waren, die in Deutschland die Energiewende gefordert und auch in die Wege geleitet haben.




Zum 1. Thüringer Bürger-Energie-Tag auf dem Anger gab es am Samstag die Fotoaktion „Bürger-Energie ist Klimaschutz“ als Beitrag zur Diskussion und Aufforderung an die teilnehmenden Länder der Weltklimakonferenz zum Jahresende in Paris, ihren CO2-Ausstoß (weiter) zu reduzieren Foto: Lydia Werner Zum 1. Thüringer Bürger-Energie-Tag auf dem Anger gab es am Samstag die Fotoaktion „Bürger-Energie ist Klimaschutz“ als Beitrag zur Diskussion und Aufforderung an die teilnehmenden Länder der Weltklimakonferenz zum Jahresende in Paris, ihren CO2-Ausstoß (weiter) zu reduzieren Foto: Lydia Werner

Altstadt. Lange vor der Politik. Und bei welcher Gelegenheit kann man besser daran erinnern, dass sie dranbleiben müssen an dem Thema Erneuerbare Energien, wenn sie den Markt nicht anderen überlassen, sondern sich beteiligen wollen. Mit diesem Ansinnen eröffnete der Verein Bürger-Energie Thüringen den 1. Thüringer Bürger-Energie-Tag und das Angebot an Gesprächen, Informationen und Aktionen. Der Bürger-Energie-Tag fügte sich nahtlos an das zweitägige bundesweite Treffen des zwei Jahre jungen Dachverbandes, das diesmal in Erfurt ausgerichtet wurde. Für Michael Welz, Vorstand des Vereins Bürger-Energie Thüringen, sei es wichtig, dass es sich nicht um eine Protestveranstaltung handelt, sondern die Beteiligung der Menschen und der Einsatz für Erneuerbare Energien im Vordergrund stehen. Wie können die Bürger selber dazu beitragen, was können sie selbst tun für die Energiewende? Das Motto: „Mit Mut in die Zukunft“.

Dezentrale und damit bürgernahe Angebote und vor allem unter finanzieller Beteiligung der Menschen vor Ort, so stellen sich die Mitstreiter bei Bürger-Energie vor, könnte „Energie in Bürgerhand“ in Zukunft besser funktionieren. Und um die Menschen zu ermuntern, dabei mitzumachen und Ideen zu entwickeln, braucht es breite Öffentlichkeit. Bislang haben 40 Bürgerenergiegenossenschaften in Thüringen ihre Arbeit aufgenommen. Die Erste Erfurter Energiegenossenschaft gibt es seit 2011. Verschiedene Projekte wurden bereits umgesetzt – bislang alles Photovoltaikanlagen. Ob Sonne, Windkraft, Biomasse oder Wasser – welche Variante oder welche Koppelung der Erneuerbaren Energien für eine Region, ein Dorf oder eine Kommune sinnvoll sind, hänge laut Michael Welz von verschiedenen Faktoren ab. Gerade bei der Windkraft machen sich in Thüringen verschiedene Gemeinden stark, damit sie ein Wörtchen mitzureden haben, wo und unter welchen Bedingungen Windkraftanlagen entstehen. „Von den bestehenden Anlagen gehören 80 Prozent nicht Thüringern“, sagt Michael Welz. Er könne es zwar nachvollziehen, wenn Landwirte und andere Bodenbesitzer ihren Grund verpachten oder verkaufen. Aber für die Region sei es am Ende besser, wenn die Menschen mitreden, beteiligt sind. „Wir als Bürger-Energie Thüringen beraten auch Gemeinden, wollen mit den Menschen in den Landkreisen ins Gespräch kommen, für dezentrale Lösungen werben“, betont der Vorstand. An fehlendem Geld würden Projekte jedenfalls nicht scheitern, so seine Erfahrungen. Wenn eine Bewegung angestoßen ist und man immer im Gespräch bleibt, würden sich viele Mitstreiter finden. Und dann würden auch aus kleineren Beträgen große. So funktioniert das unter anderem bei der Ersten Erfurter Energiegenossenschaft. Und das persönliche Engagement auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien hat noch einen anderen Aspekt. Wer selber Strom produziert, hat es zumindest längerfristig mit besser kalkulierbaren Strompreisen zu tun.
Verein Bürger-Energie Thüringen, Alfred-Hess-Straße 37, Telefon (0361) 6  02  06  70,
Kontakt auch via Internetseite:
www.buergerenergie-thueringen.de

Lydia Werner / 28.09.15 / TLZ


Energiewende weltweit, Erfurt und Jena 26.09.2015

Stefan Schurig, Direktor für Klima und  Energie beimn World Future Council (Weltzukunftsrat, Hamburg) war zu Gast beim 1. Thüringer Bürger-Energie-Tag am 26. September in Erfurt (Interview) und Jena (Vortrag)

Schurig Erfurt 2015 09 26
Stefan Schurig im Interview auf dem Erfurter Anger beim 1. Thüringer Bürger-Energie-Tag


Interview in TLZ vom 25.09.2015

Weltzukunftsrat-Direktor im Jenaer Interview über Klimawandel und Energiewende




Jena/Hamburg. Wie vollziehen andere Länder die Energiewende? Welche Widerstände gibt es? Und taugt Deutschland als Vorbild? Anlässlich des ersten Thüringer Bürgerenergie-Tages hält Stefan Schurig, Direktor für Klima und Energie beim Weltzukunftsrat (World Future Council), am Samstag, 26. September, um 16 Uhr im Volkshaus Jena einen Vortrag zum Thema „Energiewende weltweit“. Wir sprachen mit ihm im Vorfeld seines Besuchs in Jena. Herr Schurig, es heißt oft, im 21. Jahrhundert sei der Klimawandel – die – Herausforderung für die Menschheit. Ist er das tatsächlich angesichts der vielen Krisen, die wir gegenwärtig haben?

Viele Herausforderungen lassen sich nicht voneinander trennen. Klimawandel ist vielleicht die größte Bedrohung, doch wichtig ist, dass man die Herausforderungen ganzheitlich betrachtet. Um ein Beispiel zu nennen: Migration, Völkerwanderung und Flüchtlingswellen sind nicht direkt zu trennen von der Frage des Klimawandels. Und die Frage des Klimawandels hat unmittelbar mit der Frage der Energieversorgung zu tun. So gibt es Querverbindungen, die man im Auge behalten sollte.

Der Klimawandel wird auch oft geleugnet...

Tatsächlich wird er nur von einigen ganz Wenigen geleugnet. In einigen Ländern ist es so, dass die ganz Wenigen, die den Klimawandel bewusst leugnen, ein unglaublich prominentes Podium bekommen. In den Medien werden die Gruppen dann geradezu gleichgesetzt. Das ist natürlich Quatsch. Der Klimawandel schreitet in atemberaubender Geschwindigkeit voran. Den kann man nicht leugnen, sondern muss sich ihm stellen und Lösungen finden. Den Klimawandel zu leugnen hat für mich etwas von Selbstaufgabe.

Sie sind Direktor für Klima und Energie beim World Future Council, dem Weltzukunftsrat. Den Wenigsten ist das ein Begriff.

Ich gebe zu: Der Name ist nicht bescheiden gewählt. Weltzukunftsrat kann im Prinzip alles bedeuten. Er ist entstanden aus den ursprünglichen lokalen Zukunftsräten. Der Gründer unserer Organisation, der auch Gründer des alternativen Nobelpreises ist, hat gesagt, wir brauchen einen Weltzukunftsrat. Das ist eine Art Rat der Weisen, der Erfahrenen, die Jahrzehnte in verschiedenen Feldern von Kultur, Politik bis Umweltengagement gearbeitet haben. Die Idee dahinter ist, diese Erfahrungen in einem Rat zusammenzubringen und die Probleme ganzheitlich zu betrachten. Dann werden Lösungen erarbeitet, das heißt, klare Gesetze, die den zukünftigen Generationen dienlich sind.

Was können Sie bewirken?

Ich glaube, dass der Ansatz, sich konkret auf das Analysieren und Verbreiten von guten Gesetzen zu konzentrieren, höchst effizient ist. Ein Beispiel: Wir haben uns vor Jahren schon sehr stark dafür gemacht, ein Gesetz zur Förderung der erneuerbaren Energien auf den Weg zu bringen. In England haben wir ganz konkret dazu beigetragen, dass es dieses Gesetz gibt. Plötzlich sind dort große Investitionen in erneuerbare Energien geflossen, und jetzt gibt es dort eine installierte Leistung von Solarzellen mit über acht Gigawatt – das entspricht fast sechs Atomkraftwerken installierter Leistung.

Warum spielt denn die Energieerzeugung so eine große Rolle bei der Begrenzung des Klimawandels?

Unser ganzes System baut auf der Frage der Energieerzeugung auf. Kohle wird zu Strom und Strom betreibt unsere Maschinen. Dementsprechend fulminant ist die Wirkung, wenn wir dieses System verändern – und wir müssen es verändern. Deshalb spricht man von der Transformation des Energiesektors. Entscheidend ist, dass wir von einer zentralistischen Struktur, wo wenige Großkraftwerke unter riesigen Verlusten Strom unter Verfeuerung von Kohle, Gas oder Öl produzieren, hin zu einer Struktur kommen, bei der Tausende und Abertausende kleine Energieproduzenten den Strom über ein zur Verfügung stehendes Stromnetz teilen.

Ein kompletter Wandel in der Energieversorgung?

Das ist eine 180-Grad-Wende in dem, wie sich unser Energiemarkt aufbaut und funktioniert. Das Geschäftsmodell der alten Energiekonzerne passt überhaupt nicht mehr zu diesen dezentralistischen Systemen. Deswegen ist der Bürgerenergie-Ansatz, bei dem sich Bürgerinnen und Bürger an der Produktion von Strom beteiligen und profitieren können und gleichzeitig Stromkonsumenten sind, genau der richtige Weg. Den haben wir in Deutschland in großen Teilen beschritten. Und er ist auch der schnellste Weg, um unseren Energiesektor zu transformieren.

Sie erwähnen auch die Gaskraftwerke. Sie werden oft als Brückentechnologie gepriesen, bis man den Strombedarf mit Erneuerbaren vollständig decken kann.

Richtig ist, dass Gas zu den am wenigsten CO2-intensiven fossilen Rohstoffen gehört. Wenn Sie die Wahl haben zwischen Öl, Gas und Kohle, ist es am besten, Sie haben ein effizientes Gaskraftwerk, das neben der Stromproduktion eben auch die abgeführte Wärme nutzbar macht. Das macht Sinn. Wie viel Gas wir aber noch brauchen, und was uns aufgrund dieser Option zur Förderung erneuerbarer Energien im Weg steht, mag jeder für sich beurteilen.

Deutschland gilt stets als Vorreiter in der Energiewende. Zu Recht?

Deutschland hat maßgeblich für die Transformation des Energiesektors Maßstäbe gesetzt. Doch die neue Regierung hat einen Gang runtergeschaltet und überlässt diese Führungsrolle jetzt anderen Ländern. Das hat keine technischen Gründe, sondern politische. Man will die bestehenden Energieunternehmen schonen, weil sie sonst in der neuen Energieversorgungsstruktur einer dezentralen Produktion keinen Platz mehr hätten.

Was kritisieren Sie hier konkret?

Unter anderem, dass man von dem sehr erfolgreichen System des Einspeisegesetzes schrittweise abrückt. Der Bürgerenergieanteil wird seitens der Regierung bewusst schrittweise zurückgefahren, auch wenn sie gegensätzliches behauptet.

Städte und Kommunen wie Jena, die auf erneuerbare Energien setzen, können sich mit Labels wie Energie-Kommune schmücken. Was bringt so etwas?

Der lokale Ansatz bringt sehr viel. Für eine Stadt ist es tatsächlich von Vorteil, wenn sie eine starke Führung hat, einen starken Bürgermeister oder eine starke Bürgermeisterin, die sich das Ziel erneuerbarer Energien vornehmen und in einem partizipatorischen Ansatz die Strategie dafür formulieren; wo sich praktisch Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft an den Tisch setzen und gemeinsam überlegen, wie dieses Ziel zu erreichen ist. Denn eines der Kernprobleme auf lokaler Ebene ist, dass viele Administrationen und Abteilungen nicht zusammenarbeiten.

Was kann jeder Einzelne von uns tun?

Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, den Stromanbieter zu wechseln. Ein zweiter Schritt ist, zu schauen, ob man seinen Energiebedarf reduzieren kann. Doch man sollte deswegen nicht in Sack und Asche gehen, denn Energie per se ist nichts Schlechtes. Das Problem ist die Frage, wo die Energie herkommt und wie sie produziert wird. Wichtig ist, dass man die Energie schlau nutzt und einsetzt. Außerdem finde ich es gut, wenn sich Menschen mit dem politischen Geschehen befassen, egal ob auf internationaler, nationaler oder lokaler Ebene. Wir brauchen Leute, die politisch engagiert sind, die auch mal einem Politiker die Stirn bieten, wenn der wieder einmal erzählt, dass erneuerbare Energien nur zu einem geringen Anteil funktionieren würden oder die Energiewende zu teuer ist.



Sascha Richter / 25.09.15 / TLZ

TLZ 11.05.2015 Thüringer Landstrom

http://www.tlz.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Thueringer-wechseln-trotz-hoher-Strompreise-selten-den-Versorger-1848545741

Thüringer wechseln trotz hoher Strompreise selten den Versorger

Obwohl sich so einiges an Geld sparen ließe, wechseln die Thüringer selten ihren Stromanbieter. Wenig Interesse besteht hierzulande zudem an grüner Energie.

Erfurt. Viele Thüringer scheuen den Wechsel ihres Stromanbieters, obwohl sich so einiges an Geld sparen ließe. „Im Prinzip gibt es zwei Pole: Viel-Wechsler und Nie-Wechsler“, sagte die Energiereferentin der Verbraucherzentrale Thüringen, Ramona Ballod, in Erfurt. Ihr Rat: Wer nicht gleich den Anbieter wechseln wolle, solle zumindest aus der Grundversorgung in einen billigeren Sondertarif wechseln. Prinzipiell sei es jedoch ratsam, jedes Jahr einen Anbieterwechsel zu prüfen. Seit Jahren steigen die Strompreise in Thüringen, allein von 2012 bis 2015 um mehr als 15  Prozent. Eine großflächige Senkung, wie sie Anfang des Jahres angekündigt worden war, kam bei den meisten Kunden nicht an. Bei großen Versorgern wie der Thüringer Energieversorgung oder Stadtwerken gab es seit Jahresbeginn zumindest keine Erhöhung.

Dem Vergleichsportal Verivox zufolge sind die Strompreise im Freistaat aktuell zwar etwas niedriger als im Vorjahr, liegen aber immer noch über dem Wert von 2013 und davor. Generell müssten Verbraucher in Thüringen auf dem Land tiefer in die Tasche greifen als in der Stadt. Am günstigsten unter den großen Städten ist der Strom in Jena, den stärksten Anstieg musste Gera verkraften. Vergleichsportale seien ein guter Weg, allerdings müssten Kunden auch hier wachsam sein, mahnt die Verbraucherzentrale. Boni sollten bei der Suche zunächst ausgeklammert werden. „Der Vertrag muss sich auch so rechnen“, sagt Ballod. Vor einem Vertragsabschluss müsse auf jeden Fall noch einmal geprüft werden, ob die vereinbarten Leistungen auch so im Vertrag auftauchten. Diese grundsätzliche Einschätzung wird von bundesweiten Zahlen unterstützt: Nach dem Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur wurden 2013 zwar knapp 21 Prozent der Haushalte von anderen Zulieferern als dem lokalen Grundversorger mit Strom versorgt. Etwa ein Drittel der Stromkunden war dabei jedoch immer noch in der teuren Grundversorgung. „Die etablierten Versorger sind bequem geworden“, findet Ballod. „Sie wissen, dass es eine feste Kundschaft gibt, die bereit ist, alles zu zahlen.“ Das mache sich auch bei den Preisen bemerkbar: „Wenn die Strompreise nach oben gehen, wird das von den Versorgern alles an den Kunden weitergegeben. Nach unten aber nicht.“ Nur, wenn Verbraucher von den Wechselmöglichkeiten tatsächlich Gebrauch machten, könne sich etwas ändern. „Viele regionale Anbieter tun noch lange nicht das, was sie tatsächlich leisten könnten“, bestätigt der Vorstand der BürgerEnergie Thüringen Sachsen eG, Matthias Golle. Die Genossenschaft sieht daher Raum für eine neue Marke auf dem Strommarkt: Unter dem Label „Thüringer Landstrom“ soll ab Mitte 2015 Ökostrom aus Thüringen vermarktet werden. Im Vordergrund stehe die Regionalität und die Wertschöpfung vor Ort. Die Verantwortlichen der „Bürgerwerke“ sind überzeugt, dass nur mit dem Label Ökostrom in Thüringen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Denn Strom aus regenerativen Quellen stößt bei Verbrauchern im Freistaat auf wenig Interesse. „Ökostrom hatte in Thüringen noch nie einen großen Wert, dafür interessieren sich die allerwenigsten“, so Ballod. Wer Wert auf sauberen Strom lege, habe den Versorger bereits gewechselt, für die breite Masse spiele das Thema aber kaum eine Rolle. Eine Einschätzung, die das Thüringer Umweltministerium bestätigt. Andreas Göbel / 11.05.15 / TLZ


Pressegespräch am 21.3.2014

OTZ und TA, 22.3.2014
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Erfurt. Der Verein "Bürger-Energie Thüringen" kritisiert die geplante Gesetzesreform. Zukunft wird in der Direktversorgung gesehen. "Energiewende retten - Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom" - unter diesem Motto finden am Samstag deutschlandweite Demonstrationen für einen raschen Wechsel hin zu erneuerbaren Energien statt. Das Thüringer Bürger-Energie-Bündnis beteiligt sich am Samstag ab 11 Uhr auf dem Erfurter Anger an den bundesweiten Demonstrationen. Dabei kritisieren die Akteure die geplante Neufassung des Gesetzes für Erneuerbare Energien, kurz EEG, durch die Bundesregierung. So würden die Bürger weitestgehend von der künftigen Entwicklung ausgeschlossen, obwohl derzeit etwa 47 Prozent aller Energiequellen in Besitz von Genossenschaften, kleineren Betrieben oder Landwirten stehen. Man befürchtet, dass künftige Projekte nur noch durch große Kapitalgeber zu finanzieren sind.
Für eine bürgernahe, dezentrale Energieerzeugung setzt sich der Verein "Bürger-Energie Thüringen" ein. Er fungiert seit vergangenem Jahr als Dachverband der Thüringer Bürger-Energiegenossenschaft und möchte zu einer besseren Vernetzung beitragen.

In einem offenen Brief an die Ministerpräsidenten der Länder fordert der Verein, gemeinsam mit anderen Aktivisten, die Energieversorgung durch Großanbieter zu verringern.
"Aus unserer Sicht liegt die Lösung in einer dezentralen Gewinnung der erneuerbaren Energien. Jedes Bundesland muss seine Stärken ausschöpfen können", erklärt Vorstandsmitglied Michael Welz. Dafür sei ein gemeinsames Engagement vor Ort wichtig.

Um die eigene Position zum Gesetz darzulegen, verfasste das "Bündnis Bürgerenergie", in dem auch die Thüringer Mitglied sind, ein Positionspapier. Das Bündnis gründete sich am 28. Januar dieses Jahres und ist seitdem in Berlin ansässig. In dem Papier wird die verbrauchernahe Energieerzeugung in den Mittelpunkt gestellt. Die Direktversorgung bildet nach eigenen Angaben die Grundlage für eine bedarfsgerechte Stromerzeugung. Darum fordern die Mitglieder eine Befreiung der Direktversorgung von der "EEG-Umlage", auch um unnötige Überschüsse zu vermeiden. Kritik äußern sie außerdem an der Deckelung der Off-Shore Wind- und Solaranlagen. "Dieser Beschluss würde den Ausbauprozess zum Erliegen bringen", ist sich Welz sicher.

"Thüringen zahlt derzeit mehr, als es aus dem EEG erhält", erläutert Christian Prechtl vom Thüringer Bürger-Energie Bündnis. "Wir sehen hierzulande noch einigen Nachholebedarf im Bereich der erneuerbaren Energien." Aus diesem Grund sei es fatal, die aktuell geplanten Projekte durch einen Gesetzesbeschluss zu begraben und Gelder in Millionenhöhe verstreichen zu lassen. Auch Mieter würden die Umlage zahlen und trotzdem nicht davon profitieren. "Daher räumen wir Bürgerinnen und Bürgern ein Mitspracherecht ein.

Anna Ullrich / 22.03.14 / TA